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Nur Du (1930)

U. T. Kurfürstendamm.

Willi Wolff, im Reiche der weißen Leinwand ebenso versiert wie auf den Brettern, die die Revuewelt bedeuten, liefert seinen ersten Tonfilm. Ein Mittelding zwischen Revue und Operette. Buntes Durcheinander für Ohr und Auge. Gelenkige Girls in Neppachs hübschen Dekorationen, hochstehende Tanzleistungen der entzückenden Marianne Winkelstern und des wirbligen Tibor von Halmay, schmissige, einschmeichelnde Musik dreier Komponistenstars: Jean Gilbert, Walter Kollo, Rudolf Nelson.

Dazu eine Starbesetzung von seltenen Ausmaßen: Der sympathische Walter

Janssen, natürlich wieder ein Komponist, neben dem springlebendigen charmanten Fritz Schulz, die reizvoll aussehende Charlotte Ander als Revuestar Colette, der liebenswürdige Paul Hörbiger als alternder Lebemann, Paul Morgan als amüsant tobender Revuedirektor, Wilhelm Bendow als schüchternes Faktotum, der ulkige Henri Bender, der sprachlich ausgezeichnete Hermann Vallentin als kunstfördernder Herr Raffke. Die hübsche Anita Dorris ist leider stimmlich wenig befriedigend.

Aber trotz allen wertvollen Zutaten gehört zu einem Film auch ein Manuskript. Um dieses ist es recht schwach bestellt. Kein Einzelfall, sondern leider typisch für die Filmoperetten – Produktion. Willi Wolff, Ladislaus Vajda und Hans Rameau bringen eine Geschichte, in der ein erfolgreicher Revue-Komponist den Ehrgeiz hat, eine Oper zu schreiben. Dank schwiegerväterlicher Finanzierung wird die Oper auch aufgeführt, erlebt aber ein fürchterliches Fiasko. Der Komponist kehrt reumütig zu der Revue und ihrer alles verzeihenden Diva zurück.

Die Handlung ist von den Autoren durch viele lustige Einfälle ausgeschmückt worden, die dem Film besonders im ersten Teil Schwung und Tempo geben. Hier hat auch der Regisseur Willi Wolff seine besten Momente. Von fabelhafter Eindringlichkeit ist eine polternde Revue Probe, in der Paul Morgan mit seinem ganzen Ensemble Krach anfängt, in der Schlager aus der Situation heraus entstehen und in der das ganze Revuedurcheinander als äußerst dankbares Milieu ausgenutzt wird.

Die Schwäche des Films ist die Ausgestaltung der dramatischen und sentimentalen Szenen. Das Autoren-Trio hat hier sehr oberflächlich gearbeitet, die Szenen springen unmotiviert, Walter Janssen muß eine Eselsbrücke in einem unglücklich stilisierten Monolog liefern und Charlotte Ander einen Schlager mit gramdurchfurchter Miene singen. Der Film verliert zum Schluß leider erheblich an Tempo, erst die letzten Meter versöhnen durch ein paar liebenswürdige Momente.

Die sehr befriedigende Photographie schuf Willi Hameister. Tonlich ist der nach dem Tobis-System aufgenommene Film vorzüglich, die Wiedergabe im U. T. Kurfürstendamm war lautstark und deutlich.

Das Premierenpublikum, durch die VorIäufer dieses Films nicht gerade verwöhnt, applaudierte zum Schluß dankbar.

Georg Herzberg.

Länge des Film: 2325 Meter 4 Akte.

Für Jugendliche verboten.

Produktion: Ellen-Richter-Film.

Verleih: D.L.S.

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Zu diesem Film ist ein „Illustrierter Film-Kurier“ in der bekannten Ausführung hergestellt, der von den Theaterbesitzern beim Verlage des „Film -Kurier“ bezogen werden kann.

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