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Rosenmontag (1930)

Ufa-Palast am Zoo.

Ein Spiel von gestern. Es geht um Begriffe und Probleme, die der heutigen Zeit fernliegen. Ein Leutnant gibt seinem Oberst das Ehrenwort, mit einem Mädel, von dem er sich betrogen glaubt, nichts mehr zu tun zu haben. Die Unschuld des Mädels, das das Opfer einer Intrige wurde, offenbart sich, der Leutnant bekennt sich zu ihr und geht mit ihr in den Tod, weil er sein Ehrenwort gebrochen hat.

Liebestragödien sind auch in unserer heutigen, angeblich so sachlichen Zeit an der Tagesordnung. Jede Zeitung bringt täglich Berichte darüber. Auch das Halten eines gegebenen Ehrenwortes wird gemeinhin als notwendig empfunden. Das Unverständliche ist nur, seinem Vorgesetzten in einer Sache das Ehrenwort zu gehen, die ihm nichts angeht.

„Rosenmontag“ wurde vor rund sechs Jahren schon einmal verfilmt. Er war der erste deutsche Film mit Vorkriegsmilitär, alle Weisen der Branche warnten damals vor den großen Gefahren einer solchen Tat. Das Kinopublikum gab ihnen unrecht: „Rosenmontag“ wurde ein Riesengeschäft, wurde der Auftakt zu ungezählten, meist erfolgreichen Militärfilmen.

ln der Tagespresse wird aus politischen Gründen manches gegen diesen Film gesagt werden. Was nicht hindern wird, daß er in weiten Kreisen des deutschen Volkes durchaus gefallen und für die meisten Kinos ein starker Erfolg sein wird.

Wenn man die Frage nach den filmischen Qualitäten aufwirft, wird Freund und Feind zugeben müssen, daß „Rosenmontag” ganz nusgezeichnet gemacht ist. Das Technisch-Tonfilmische ist restlos gelöst, die Schauspieler können sprechen und sind verständlich, der Schnitt „sitzt”, das Manuskript ist geschickt gebaut und gesteigert — alles in allem eine sehr anständige Leistung.

Ludwig von Wohl und Philipp L. Mayrinck sind die Autoren, die Otto Erich Hartlebens Stück bearbeiteten. Sie wählen klare, knappe Situationen, stellen ihre Sache auf das Wort, wodurch das Bild, da der Regisseur ebenfalls reine Zweckphotographie anordnete, zuweilen zu kurz kommt. Die Dialoge sind gut pointiert.

Hans Steinhoff, der Regisseur, stützt sich auf sorgsam ausgewählte Darsteller. Die Kamera, mit der Werner Brandes klare Bilder schuf, wird nur selten bewegt, so bei der gut gesehenen Verlobungsfeier.

Gut gelungen sind der Regie die Soldatenaufnahmen, bei denen es exakt klappt. Ein Teil des Publikums begrüßte die Truppen in den alten Uniformen, die mit klingendem Spiel durch die Straßen ziehen, mit demonstrativem Applaus.

Das Hauptaktivum des Films ist die Darstellung. Mathias Wiemann als Leutnant Hans Rudolf glaubt man die Weichheit und Unentschlossenheit und sein Kapitulieren vor dem Schicksal. Lien Dyers, deren Stimme ungewöhnlich klar herauskommt, meistert mit Sicherheit die Szenen, um die bisher alle Tonfilmschaffenden mit Vorliebe herumgegangen sind. Sie kann sagen „Ich liebe Dich”, ohne daß das Parkett lächelt — das ist uns beim Tonfilm bisher selten passiert.

Die Offiziere: Karl Ludwig Diehl als Grobitzsch, unsentimental, prächtige Figur, am besten, wenn er zum Schluß, mit den Schurken abrechnet. Sie werden gespielt von dem verkniffenen Lutz Altschul und dem tapsig plappernden Harry Halm. Gute Darsteller unsympatischer Rollen.

Es gefallen weiter der prächtige Peter Voß als Ideal-Figur eines Offiziers, Hubert von Meyerinck mit einem improvisierten Chanson Eduard von Winterstein als korrekt-väterlicher Oberst. Fritz Alberti, Hanna Waag, die bläßlich und unbedeutend sein muß. Erich Kostin als gerissener Bursche, Gertrud Arnold als alte energische Exzellenz.

Die milieu-entsprechenden Bauten schufen Herlth und Röhrig, W. Tjaden zeichnet für die hervorragende Tonaufnahme.

Der Film, über den noch einmal zu sagen ist, daß er eine gute Leistung der Ufa-Produktion (Produktionsleiter Bruno Duday) darstellt, fand bei seiner gestrigen Premiere starken, andauernden Beifall.

Länge: 2274 Meter, für Jugendliche verboten.

Verleih und Produktion: Ufa.

Georg Herzberg.

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Zu diesem Film ist ein „Illustrierter Film-Kurier” in der bekannten Ausführung hergestellt, der von den Theaterbesitzern beim Verlage des „Film-Kurier“ bezogen werden kann.

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Das Beiprogramm brachte einen tönenden Film der Ufa-Kulturabteilung, der wundervolle Tierbilder aus dem Reptilien- und Insektenleben enthält. Auch das Mikroskop tritt in Aktion und vermittelt nie geschaute Wunder. Als Rahmenhandlung dient diesmal ein Schulausflug.

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