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Komm’ mit mir zum Rendezvous (1930)

Atrium.

Eine Vaudeville. Spielt natürlich in Paris, wo die Leute Autos mit Berliner Nummern zu benutzen pflegen.

Carl Boese, der sympathische, unermüdliche Schöpfer stummer Filme, liefert sein Tonfilmdebut. Das ist für Darsteller wie für Regisseure ein großer, entscheidender Moment. Ueber Boese ist noch nicht zu sagen, ob er sich durchsetzen wird. Die Schwierigkeiten der Materie wurden noch nicht überwunden, der Film ist in der Szenengestaltung und vor allem im Schnitt recht primitiv, lieber die Zeiten, wo unmotivierte Abblendungen den Szenenablauf zerhackten, wo Blankfilm eingeklebt wurde, wenn die Musik weitergeht, sind wir doch eigentlich schon hinweg.

Auch technisch kann dieser Film nicht befriedigen. Ein erheblicher Teil der Dialoge blieb unverständlich, die Stimmen hatten zuweilen einen unangenehmen Unterklang, als wenn sie aus dem Blechtrichter einer nicht ganz modernen Sprechmaschine kamen. Aufnahme- und Wiedergabe gerät werden sich über die Schuld streiten — der Zuhörer konstatiert die Tatsache.

Robert Florey und Carl Boese schrieben das Drehbuch nach einem Sujet von J. Bousquet und H. Falk. Walter Hasenclever zeichnet für die Dialoge. Es ist nicht recht einleuchtend, weshalb man eine Dichtergröße bemühen mußte, die Dialoge ähnlicher Filme, die von gewöhnlichen Sterblichen (lies Filmautoren) geschrieben wurden, hatten das gleiche Niveau, waren zu neunzig Prozent ebenso improvisiert, ungeschliffen und leicht hingeredet.

Die Produktionsleitung glaubte, durch das Engagement bewährter Bühnenkräfte dem Film Rückhalt zu geben. Das ist auch zu einem guten Teil gelungen. Der wieder ausgezeichnete Ralph Arthur Roberts, ferner Szöke Szakall, Fritz Schulz und Lucie Englisch verstehen es, sich durchzusetzen. So entsteht wieder einmal der typische deutsche Tonfilmschwank, der inhaltlich schwach ist, aber den Zuschauer durch gut herausgebrachte Pointen und einzelne Wortwitze zu versöhnen sucht. Auf die Dauer wird jedoch dieses Produktionssystem nicht durchzuhalten sein.

Trude Lieske vermag in ihrer ersten Sprechfilmrolle durch ihre natürliche Komik zu gefallen. Alexa Engström, die demnächst groß herauskommen wird, ist diesmal noch ziemlich blaß. Walter Rilla bat ein paar sehr konventionelle Szenen zu sprechen, erst zum Schluß zeigt er Möglichkeiten zur Entwicklung.

Die Bildphotographie von Otto Kanturek und Eduard Hoesch befriedigt, für die Tonfilmaufnahme zeichnet Dr. Seidel. Die Bauten lieferte Julius von Borsody.

Fritz Grothe schrieb einen flüssigen Schlager über das schon reichlich abgeklapperte Thema „Sex Appeal“.

Produktion: Harmonie-Film.

Länge: 2493 Meter, 8 Akte.

Weiße Zensurkarte, für Jugendliche verboten.

Georg Herzberg.

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