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Ein Burschenlied aus Heidelberg (1930)

Ufa-Pavillon.

Wieder einmal ist es Alt-Heidelberg, die Stadt an Romantik reich, die den Film lockt. Da gibt es die abendliche Stimmung am Neckar, sanfte Konturen der Berge, bunte Mützen, raschbereite Schläger mit ihren alten Gebräuchen am alten Schloß, Kommerslieder und die Liebesgeschichte eines Mädels mit ihrem Studenten.

Diesmal wird allerdings ein heiteres Singspiel daraus, ein lustiges Alt-Heidelberg, das fröhliche Urständ feiert. Statt des Karl-Heinz-Prinzen ist es die deutschamerikanische Dollarprinzeß, die frisch aus U. S. A. hinein-geschneit kommt, um die studentischen Gebräuche der Vorfahren und so ein bischen nebenbei auch die schwer verständliche Gelehrsamkeit der Hörsäle kennen zu lernen.

Was kann, sagen sich die Autoren Neubach und Wilhelm, eine Dollarprinzessin, die selbst das Wörtchen „sturmfrei“ im Lexikon nicht findet, darum besseres tun, als mit tausend Worten Grammatik auch die nötigen Worte Liebe zu lernen? Woraus sich neben allerhand komischen Mißverständnissen ein recht einschmeichelnder Konjugationsschlager „Ich liebe, du liebst, er liebt“ für den Komponisten Hans May ergibt, der mit dem Titelschlager und noch zwei anderen Liedern sich das Herz seines Publikums erobert. Zwischendurch wird die Geschichte von dem schlagenden Burschen gebracht, der gegen seinen Willen kneifen muß und die Sache auf schwere Säbel nicht austragen kann. Derweil der Deutschamerikaner erklärt, wenn schon einer einer Verbindung angehöre, so müsse er sich schlagen.

Das ist schon nicht mehr ganz die frischfröhliche Rauflust des Korpsstudentengeistes von ehedem, da wird sie schon ein klein wenig ad absurdum geführt mit der zerhauenen Nase und dem Jungen mit dem verpflasterten Gesicht, der die Braut nicht heimführt.

Und so nimmt es auch Karl Hartl, ein neuer Mann in der Regie, als Autor bekannt und geschätzt. Für ihn werden Paukboden und Bierkomment nur kleine Untermalungen für seine singfreudige Liebesromantik, er findet sich voll Takt in dieser Jungmännerwelt des Biers zu Stimmungsbildern durch, unterstützt von Carl Hoffmann, der in seinem Sinne an der Kamera die gedämpfte, nie grelle Bildwirkung sucht Robert Herlth und Walter Rörig bringen Bauten, die sich gut und unauffällig einfügen. Auch sie verlieren sich nicht an das Detail, bedacht auf die Milieuwirkung.

Willy Forst gibt charmant seinen schlagenden Bursch, dem das Singen besser ansteht als das Schlagen. Und er macht das leicht, überlegen, unsüßlich und lustig, assistiert von der anmutigen Betty Bird, seiner Dollarprinzeß.

Um die beiden herum die übrigen: Ernst Stahl-Nachbaur, wie stets voll Noblesse, draufgängerisch derb Hans Brausewetter, Kaiser gut in einer kleinen Chargenrolle. Dazu als komisches Trio Ida Wüst, Albert Paulig und der lustigradebrechenden Hermann Blaß.

Das heitere Spiel fand herzlichen Beifall.

-r-

Produktion und Verleih: Ein Ufaton-Film im Ufaleih.

Länge des Films: 2155 Meter (9 Akte).

Weiße Zensurkarte: Für Jugendliche verboten.

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Zu diesem Film ist ein „Illustrierter Film-Kurier“ in der bekannten Ausführung hergestellt, der von den Theaterbesitzern beim Verlage des „Film-Kurier“ bezogen werden kann.

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