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Die große Sehnsucht (1930)

Capitol.

Die Vorspannschlange ist am Verenden. Wieder einmal ein Film, der nach dem Haupttitel sofort anfängt. (Was wäre das für ein Vorspann geworden, bei 36 Stars und ebensovielen technischen Mitarbeitern!)

„Die große Schnsucht“ haben alle die vielen kleinen Komparsinnen und Komparsen — nach der großen Rolle. Nach dem Moment, wo das Regisseur-Auge auf ihnen haften bleibt. Nach der Chance, daß es eines Tages Krach mit dem großen Star gibt und über Nacht eine Lücke ausgefüllt werden muß.

Dankbares Sujet, denn es bringt allgemein Menschliches in dem bunten flirrenden Milieu des Ateliers. Der Stoff ist in seinen Grundzügen „Phäa“ nicht unähnlich, er verzichtet aber auf das mit geteilten Gefühlen aufgenommene philosophierende Nebenbei. Dafür wird das Mädel nach und nach seinem Bräutigam, dem braven, unbegabten Jungen, entfremdet. Und es gibt für die beiden kein happy ending wie seinerzeit bei dem Metro-Film der charmanten Marion Davies.

Damals, in Hollywood, spielten Chaplin und Fairbanks als Komparsen. Diesmal gibt es die große Parade deutscher Stars. Alles, was in Berlin war und Zeit hatte, ist dabei. Von A bis V (Amann bis Verebes). Suche Deinen Liebling, und Du wirst ihn finden.

Hans H. Zerlett, der Autor, hat mit wirklichem Geschick für alle diese „Edel“komparsen ein Plätzchen in dem Film geschaffen. Jeder hat ein charmantes Röllchen gekriegt, keiner steht nur daneben, was die Gefahr einer solchen Idee ist. Auch die zweite Gefahr, daß der Film durch die vielen Einschübe heillos zersplittert wird, ist umgangen worden.

Wer im einzelnen für den Film verantwortlich ist, ist nicht leicht festzustellen. Stefan Szekely, ein neuer Mann, zeichnet als Regisseur, Kurt Bernhardt als künstlerischer Berater, die Herren Tuscherer und Pasternak als Produktionsleiter, und schließlich auch noch Paul Henckels als Leiter der Dialoge.

Die Delikatessen für das Publikum werden natürlich die Auftritte der Stars sein. Da begleitet Liane Haid ihre Schminkzeremonie mit entzückendem Wiener Geplausche, da rasselt Ernst Verebes ein paar tolle Stepschritte runter, da sind Liedtke, Veidt und Kortner zu hören, da liefern Maria Paudler und Paul Heidemann eine Parodie des „Blauen Engel” und da muß sich Richard Eichberg eine gelungene Kopie durch Ludwig von Wohl gefallen lassen.

Die Hauptrolle spielt Camilla Horn. Ohne Zweifel eine Tonfilmbegabung. Sie hat viele blasse Worte und ein nicht leichtes Chanson zu sprechen. Am besten ist sie, wenn sie absichtlich schlecht spielt, und in dem zündenden Schluß-Schlager des wieder einmal schmissig notensetzenden Friedrich Holländer: „Ich wünsche mir ein happy end”.

Theodor Loos gibt glaubhaft und mit Haltung den Regisseur, Paul Henckels einen dienernden Aufnahmeleiter, Irma Godau eine munter plappernde Komparsin. Paul Kemp hat als Regieassistent eine große Komikerrolle, seine Schwipsszene mit der Imitation von Karlweiß ist ausgezeichnet.

Berthe Ostyn erweckt in der undankbaren Rolle des abgesetzten Stars Sympathie. Harry Frank muß sich wieder einmal mit einer Rolle herumplagen, die ihm keineswegs liegt. Was mit diesem befähigten Schauspieler nach dem „Tiger” für Fehlbesetzungen geliefert wurden, stellt den Verantwortlichen kein gutes Zeugnis aus. Man kann nicht eine der Rolle nach unbedeutende Figur mit einem Mann besetzen, der nun einmal energisch und intelligent aussieht und nicht über seinen eigenen Schatten springen kann.

Stefan Szekely findet, obwohl der „Schuß im Tonfilmatelier” manche Wirkung vorweggenommen hat, noch viele Möglichkeiten, dem Zuschauer den Atelierbetrieb interessant zu rauchen.

Phototechnisch ist der Film hervorragend. Mutz Greenbaum kriegt nicht nur das Kunststück fertig, jedem Star seine richtige Beleuchtung zu geben, sondern gefällt auch durch originelle Einstellungen. (Das langsame Abgleiten der Kamera schafft sofort die notwendige Atelier-Atmosphäre).

Für den klaren und verständlichen Ton zeichnet Alfred Norkus. Die Bauten lieferten Sohnle und Erdmann.

Der Film hatte auf „offener Szene” und zum Schluß starken Beifall.

Cicero-Film im Verleih der Deutschen Universal.

Länge 2400 Meter, für Jugendliche freigegeben.

Georg Herzberg.

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Zu diesem Film ist ein „Illustrierter Film-Kurier” in der bekannten Ausführung hergestellt, der von den Theaterbesitzern beim Verlage des „Film-Kurier” bezogen werden kann.

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