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Lumpenball (1930)

Titania-Palast und Primus-Palast.

Eine lärmende Filmposse. Bewährte Effekte der Vorstadtbühne sind mit ebenso beliebten Mitteln der Stummfilmgroteske gepaart worden. Das Ergebnis ist eine Häufung derber, handgreiflicher Witze und Situationen.

Es wurde gestern im Parkett viel und herzlich über den Film gelacht. Damit ist eigentlich seine Existenzberechtigung — für Kinos mit nicht gerade feinnervigem Publikum — bewiesen.

Fritz Friedmann-Frederich und Franz Rauch schrieben das Manuskript. Nach dem beliebten System, eine dürftige und dagewesene Handlung mit buntem, lustigen Nebenbei auszustaffieren.

Es hat keinen Zweck, über die Seichtheit eines solchen Films Worte zu verlieren. Er ist für das Gros der Leute gemacht, die als treue Kinobesucher gelten, und er wird diesem Publikum, wie der minutenlange Beifall und das dröhnende Gelächter in sämtlichen Vorstellungen der beiden Premierkinos bewies, bestimmt gefallen. Die Rechnung wird auch zahlenmäßig aufgehen.

Wieviele Filme und Bühnenstücke haben schon gezogen, weil ihre Hauptpersonen eine giftige Schwiegermutter und ein unter dem Pantoffel stehender Schwerenöter waren! Diese beiden „klassischen“ Gestalten erringen auch diesmal den Sieg.

Carl Heinz Wolff, der Regisseur, erfüllt seine Aufgabe, wenn es gilt, Klamauk zu machen. In den wenigen klamauklosen Szenen liefert er Dilettanten-Theater.

Die Säule des Ensembles ist Curt Lilien. Wirklich ausgezeichnet als pfiffiger Rentier Krause, der den Krieg mit seiner schlechteren Ehehälfte immer wieder aufnimmt. Er wird Hunderten männlicher Leidensgenossen (und solchen, die sich einbilden, welche zu sein), allabendlich aus der Seele sprechen.. Sie werden mit ihm triumphieren, wenn er gegen den Drachen auftrumpfen kann.

Der „Drachen“ ist Anna Müller-Lincke, bissig im nüchternen Zustand, nach dem zweiten Kognak, von allen guten Vorsätzen verlassen.
Georgia Lind und Anny Ann spielen die Flittchen vom Kabarett, sie sehen sehr niedlich aus, aber ihnen fehlt die wirklich leitende Hand eines aktiven Regisseurs.

Fritz Kampers und Paul Kemp holen sich als Vagabunden in dankbaren Rollen stürmischen Beifall. Schwerer hat es schon Carl de Vogt, ganz schwer Harry Frank, der in diesem Film deplaciert ist. Auch Irene Ambrus besitzt nicht die Bühnenroutine eines Lilien, um sich allein durchsetzen zu können. Wolf Georgi, Karl Harbacher, Gerhard Dammann, Carl Platen und Georg John füllen ihre Episodenrollen aus.

Das Tonliche — (Klangfilm-Aufnahme-System) — ist technisch anständig. Autor und Regisseur machen aber von den Tonmöglichkeiten noch ziemlich primitiven Gebrauch. Muschner und Gottschalk photographierten, am besten gelungen sind ihnen die Freiaufnahmen bei Sonnenaufgang.

Gustav A. Knauer hat wenig Chancen zu baulicher Entfaltung, der Festsaal eines großen Hotels sieht ein wenig dürftig aus, wie überhaupt der ganze „Lumpenball” mehr nach einem Kostümfest in der Laubenkolonie als nach einer Großstadtveranstaltung mit 10 Mark Eintritt aussieht.

-g.

Regiseur und Darsteller wurden zum Schluß stark gefeiert.

Länge des Films: 2356 Meter, für Jugendliche verboten.

Carl Heinz Wolff-Produktion, Verleih durch Bezirksverleiher.

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Zu diesem Film wurde ein „Illustrierter Film-Kurier“ in der bekannten Ausführung hergestellt, der von den Theaterbesitzern beim Verlag des „Film-Kurier“ bezogen werden kann.

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